San Leo

San Leo

GESCHICHTE

"Ein einziger Papst, ein einziger Gott, eine einzige Festung von San Leo”, besagt ein Sprichwort. Bei einem Besuch des beeindruckenden Felsens wird einem die Bedeutung umgehend klar.
Die Staatsstraße 258 (Marecchiese), die schon in alten Zeiten Rimini über das vom Marecchia Fluss gegrabene Tal mit Arezzo verband, bietet ein seltenes Schauspiel der Natur mit hohen Felsen, die über eine sanfte, bis zum Meer abfallende Hügellandschaft herrschen. Jede einzelne Felsmasse erzählt mit mehr oder weniger erhaltenen Überresten von einer kriegerischen Vergangenheit. Auf jeder Felsspitze zeugt ein Befestigungswerk von den Angriffen, die von der Küste aus gestartet wurden. Unter diesen Festungen ragt eine besonders hervor: Vollkommen isoliert und stolz, zum Montefeltro „ab antiquo“ bestimmt, gibt der Ort dem gesamten umliegenden Gebiet seinen Namen.
Auf dem 650 Meter hohen Felsen fanden antike Völker Schutz und Zuflucht, die ersten Zeugnisse stammen aber erst aus dem Römischen Zeitalter. Die Alten Römer nannten den Felsen “Mons Feltrius”, da sich hier ein dem Jupiter Feretrius geweihter Tempel befand. Der Name Montefeltro bleibt bestehen, bis der Ort zu Ehren des Dalmatiners Leo in „San Leo“ umgenannt wird. Leo war aus beruflichen Gründen hierher gekommen und hatte sich wegen seines inbrünstigen christlichen Lebensstils schnell einen Namen gemacht. Mit diesem Namen wurde San Leo aber erst einige Jahrhunderte später berühmt; in der Zwischenzeit musste die Festung den Barbareneinfällen, den düsteren Geschehnissen des Späten Mittelalters, der Herrschaft der Byzantiner und der Franken und schließlich den Machtkämpfen um ihren Besitz widerstehen.
Erst das Geschlecht der Carpegna, dann das der Montefeltro und der Herzoge von Urbino gaben dem Lehngut eine politische und territoriale Ordnung. Im 16. Jahrhundert folgen die Della Rovere und im 17. Jahrhundert der Kirchenstaat. Hier wurde der berühmte Graf Cagliostro eingesperrt, der viereinhalb Jahre in einer “pozzetto” (kleiner Brunnen) genannten Zelle vollkommen isoliert war. In der Neuzeit, im Jahre 1860 wird dieser Teil der Romagna zu Unrecht zusammen mit den Besitztümern von Urbino der Region Marken einverleibt.

SEHENSWERT

Die Festung "Il Forte"
Die Festung - Symbol einer bedeutenden Vergangenheit – ist das Ergebnis zahlreicher Überlagerungen; ihre Ursprünge verlieren sich in fernen Zeiten. Was wir heute bewundern dürfen, ist die Arbeit des Architekten Francesco di Giorgio Martini aus Siena, der die Festung auf Wunsch des Herzogs von Urbino restaurierte und stützte. Im linken Wartturm befindet sich eine Ausstellung von Waffen aus verschiedenen Epochen und einigen Gemälden aus dem 17. Jahrhundert, die aus dem Kloster von S, Igne stammen. Im anderen Wartturm werden Waffen und Dokumente aus der Renaissance aufbewahrt. Die herzoglichen Wohnräume sind heute eine Pinakothek mit bedeutenden Werken; darunter im 1. Stock: „Il Cristo deposto“ (Kreuzabnahme) aus der Schule des Caravaggio, „La disputa tra i dottori“ (Diskussion unter Gelehrten) von Correggio, das Triptychon der “Madonna del Carmine con il Bambino fra i Santi Leone e Marino” (Heilige Jungfrau vom Berge Karmel mit den Heiligen Leo und Marino) von Luca Frosino (Schule des Botticelli). In diesen Räumen befinden sich außerdem Möbel im Kartäuserstil, Geldschränke „Savonarola“ und Tische aus dem sechzehnten Jahrhundert. Nach der Besichtigung der Festung geht es über die Via Leopardi hinab zur Bibliothek G. B. Marini; gegenüber von dem Brunnen aus dem Jahre 1893 trifft man auf Palazzo Nardini mit dem Raum, in dem Franz von Assisi den Berg „La Verna“ als Schenkung erhalten hat. Auf der gegenüberliegenden Seite befindet sich der Palazzo der Grafen von Montefeltro und der Herzöge von Urbino - das heutige Rathaus.
Die Pfarrkirche
Der Platz mit seiner für das Mittelalter typischen Struktur wird auf der linken Seite durch die Apsis der Pfarrkirche, einem der schönsten Bauwerke mittelalterlicher Kunst in Italien, verschönert. Die aus rötlichem Sandstein gebaute Kirche hat keine Fassade; ihre Apsis ist zum Platz hinaus - nach Osten – gerichtet. Lisene verlaufen um den antiken Seiteneingang. Die vorromanische, der Heiligen Assunta geweihte Kirche ist sicherlich die älteste im gesamten Montefeltro, denn sie wurde aus wiederverwertetem Material aus einem Heidnischen Tempel genau an der Stelle, an welcher der Heilige Leo die erste Kapelle errichtet haben soll, gebaut. Das Alter dieser Basilika wird außerdem durch eine interessante Steintafel mit einem Basrelief (umbrisch/sabellisch) aus dem VIII. Jahrhundert bezeugt. Das archaische wunderschöne Kircheninnere - wahrscheinlich Werk der Magistri Comacini – wird durch Pilaster und Säulen (zwei römische aus Zwiebelmarmor) in drei Schiffe aufgeteilt und hat ein interessantes Dachwerk. Das Schmuckstück der Kirche ist jedoch das aufgestockte Presbyterium mit dem von Herzog Orso (881) gespendeten Tabernakel aus Zwiebelmarmor auf vier kleinen Säulen mit byzantinischen Kapitellen. Zwei Stufen führen zur in drei Apsiden aufgeteilten Krypta.
Der Dom
Auf demselben Platz, befindet sich etwas weiter oben der im Jahre 1173 errichtete (und im Laufe des XIII. Jahrhunderts vollendete), mit dem Felsen eine Einheit bildende Dom. Er ist dem Heiligen Leo geweiht und fungiert als Kathedrale. Er soll auf den Ruinen des römischen Tempels des Jupiter Feretrius aus goldfarbenem Sandstein errichtet worden sein und hat als eine der ersten Kirchen Italiens römisch-lombardische und gleichzeitig gotische Formen. Das Innere erreicht man über ein kleines Seitenportal, da auch der Dom – wie die Pfarrkirche - keine Fassade hat und durch Pilaster und Säulen, die Spitzbögen stützen, in drei Schiffe aufgeteilt ist. Eine große Treppe aus dem sechzehnten Jahrhundert führt zum Presbyterium mit einem Kruzifix (Kopie des Gemäldes von 1205) über der Originalmensa des Altars. Hier befindet sich eine Silberurne mit einem Knochenbruchstück – der einzigen Reliquie -des Heiligen Leo. Beim Verlassen des Doms kann man eine schöne „Mariä Verkündung“ aus dem späten sechzehnten Jahrhundert über dem Portal bewundern. Von dem Weg, der hinter die Apsis führt, kann man den massiven romanischen Glockenturm sehen: Acht Fenster beleuchten die Turmspitze, die durch eine Wendeltreppe bestiegen werden kann. Es heißt, es hätten ihn einst 9 Glocken, von denen heute nur noch die Löcher der Seile übrig sind, geschmückt.
Das Museum für religiöse Kunst
Das Museum für religiöse Kunst wurde auf Wunsch der bischöflichen Kurie von San Marino-Montefeltro und der Gemeindeverwaltung von San Leo im Jahre 1996 im Palazzo Mediceo gegründet. Die ursprüngliche Sammlung umfasst eine Reihe von Werken aus Kultstätten der Umgebung von San Leo, die aus verschiedenen Gründen nicht mehr an ihren Originalorten erhalten werden können (die meisten wurden schon vor Jahren von ihrer ursprünglichen Herkunft entfernt).
Es handelt sich um Werke religiöser Kunst, die für Altare oder Klosterräume bestimmt waren.

INFORMATIONEN
- Informationsbüro - Piazza Dante San Leo 0541/916306
- Fremdenverkehrsverband Pro Loco San Leo - Piazza Dante San Leo 0541/916231
- Museum für religiöse Kunst - Piazza Dante San Leo 0541/916306
- Gemeinde San Leo Tel. 0541/916211 Fax 0541/916184
Email: comune.san-leo@provincia.ps.it