Montefiore

Montefiore

Schon von weitem - von Rimini - erblickt man einen der höchsten Hügel des Concatals mit einer gigantischen, quadratischen und imposanten Festung in einem Meer von Grün.
Es ist die Burg von Montefiore, einem der Hauptorte der Malatesta-Ländereien. Innerhalb der Mauern, in den Kirchen und Gassen trifft man auf kostbare Kunstwerke und das traditionelle Töpferhandwerk. Von dem Borgo beherrscht man die gesamte Küste und hat einen atemberaubenden Blick auf das nahe Meer. Die Landschaft voller Olivenbäume und Eichen lädt zu Spaziergängen auf antiken Pfaden ein. Das alles macht aus Montefiore eine unvergessliche Etappe im Hinterland der Provinz von Rimini.

GESCHICHTE

Wandelt man heute durch die ruhigen Gassen des Orts, kann man sich die einflussreiche und reiche Geschichte von Montefiore nur schwer vorstellen. Lange Zeit war Montefiore eines der wichtigsten – wenn nicht das wichtigste – Zentren eines großen Gebietes, das den mittleren und unteren Teil des Concatals umfasst, und galt in jeder Hinsicht – militärisch, wirtschaftlich, religiös und kulturell - zu den bedeutendsten Burgen des gesamten Territoriums von Rimini.
Schon im frühen Mittelalter unterlag Montefiore der Gewalt von Rimini. Im Jahre 1302 versucht man sich dieser Herrschaft zu entziehen, aber der Versuch scheitert an der drohenden Belagerung. Mit der Machtübernahme der Malatesta erlebt Montefiore seine höchste Blüte. Das mächtige Geschlecht errichtet in diesem Ort eine der größten und uneinnehmbarsten Festungen und macht sie zur repräsentativen Residenz und militärischem Bollwerk zur Kontrolle der Grenzen mit dem Montefeltro. Die Burg wurde in der ersten Hälfte des vierzehnten Jahrhunderts erbaut und blieb für mehr als hundert Jahre im Besitz der Malatesta. 1377 wurde hier Galeotto Novello Malatesta - wegen des Geburtsortes “Belfiore” genannt - geboren.
Ab 1432 verstärkt Sigismondo Pandolfo, der berühmteste Malatesta, die strategische Bedeutung von Montefiore und verbessert die Anlage erheblich. In diesem Zeitraum entwickelt sich der Borgo weiter und wird um zivile und religiöse Institutionen wie Klöster, Hospize und den „Monte di pietà“ (Leihhaus) bereichert. Nach der Niederlage der Malatesta beginnt für Montefiore, wie für viele andere Orte in diesem Teil der Romagna, eine Zeit des ständigen Herrschaftswechsels: Die Guidi di Bagno, die Borgia, die Republik Venedig und auch Costantino Comneno, Fürst von Mazedonien, der 1530 in Montefiore starb. Schließlich geht der Ort definitiv an den Kirchenstaat über. 1797 gehört Montefiore zur zisalpinen Republik.
Das gesamte achtzehnte und neunzehnte Jahrhundert kann Montefiore seine Stellung als Machtzentrum halten, auch wenn naheliegende Orte – vor allem die in der Ebene – immer mehr an Bedeutung gewinnen und sich eine eigene soziale und wirtschaftliche Identität schaffen. Zu Beginn des zwanzigsten Jahrhunderts zieht es die Bevölkerung immer mehr ins Tal, auch wenn die Landwirtschaft in den Hügeln noch blüht und eine hohe wirtschaftliche Bedeutung hat. Nachdem die Einwohnerzahl in den 50/60er Jahren erheblich gesunken ist, kann man in den letzen Jahren - dank der wunderschönen intakten Landschaft und der guten Verbindungen zu den Badeorten – ein neues Wachstum verzeichnen. Heute sieht man in Montefiore im Tourismus eine der besten Möglichkeiten für die Zukunft.

SEHENSWERT

Direkt am Ortseingang fällt der Bogen „Porta Curina“ (XIV. –XV. Jahrhundert) mit dem Wappen der Piccolomini, durch den man den befestigten Borgo erreicht, auf. Auf der linken Seite befinden sich das Rathaus und einige Gebäude aus dem Mittelalter. Auf dem Weg zur Burg trifft man auf die Kirche „San Paolo“ (Hl. Paulus) und die antike Töpfereiwerkstatt der Familie Franchetti, die mit zwei fußbetriebenen Töpferscheiben Tongeschirr in traditionellen Formen und Farben herstellt.
Weiter geht es bis zur imposanten Burg. Nach einem Mauerrundgang erreicht man den Hof mit einem verzierten Brunnen (Ende vierzehntes Jahrhundert) Im oberen Stockwerk befindet sich ein Saal mit Kreuzgewölbe, wo bedeutende Freskomalereien – Beispiele weltlicher Malerei des XIV. Jahrhunderts - von Jacopo Avanzi ausgestellt sind. Im sogenannten Kaisersaal sind weitere Fresken von Avanzi ausgestellt.
Von der Terrasse auf der Burgspitze kann man ein bewegendes Panorama über Städte, Berge, Täler und die gesamte romagnolische Küste genießen. Die Festung wurde in ihrer heutigen Form um 1340 von Galeotto Malatesta auf der Grundlage einer möglicherweise bereits bestehenden Befestigungsstruktur errichtet. In den 60/70er wurde die Burg umstrittenen Restaurierungsarbeiten unterzogen. Nachdem man die Burg verlassen hat, geht es zurück über die „Ghirlanda“ (Girlande) genannte Straße bis zur gotischen Kirche „San Paolo“ mit einem bemerkenswerten Tafelbild (Kreuzigung) aus der Schule Riminis des vierzehnten Jahrhunderts. Von “Porta Curina” geht es nach links zum kompletten Mauerrundgang.
Über die Hauptstraße (XX Settembre) erreicht man die Kirche “Chiesa dell'Ospedale” (Hospiz) oder “Santa Croce” (Heilig Kreuz) mit einigen Freskomalereien aus der Schule der Marken des fünfzehnten Jahrhunderts. Einen Besuch wert sind außerdem das Kapuzinerkloster auf der Spitze des Monte Auro und die Wallfahrtskirche „Madonna di Bonora“, eine der antiksten und berühmtesten geweihten Stätten Riminis. Besondere Aufmerksamkeit verdient die wundervolle intakte Umgebung, vor allem das bezaubernde Tal des Ventena-Flusses zwischen Montefiore und Gemmano.

VERANSTALTUNGEN

Nicht versäumen sollte man die einzigartige antike Karfreitags-Prozession, an der kostümierte Künstler und Bruderschaften teilnehmen; das Kastanienfest, das an allen Oktobersonntagen stattfindet (eines der bekanntesten Feste der gesamten Gegend); das Festival “Una Stagione per le Arti“ (Saison der Künste) mit Ausstellungen, Kursen und künstlerischen Aktivitäten in der Burg (Juli); die lebendige Krippe erfüllt in der Weihnachtszeit die gesamte Altstadt.

INFORMATIONEN
- Fremdenverkehrsverband Pro Loco: Via XX Settembre 50 - Tel. 0541/782790
- Rocca Malatestiana: Via Roma - Tel. 0541/980035 (Rathaus)
(Öffnungszeiten im Sommer: 10-12/15-19 Uhr; von November bis März nur auf Anfrage)
- Fossilien- und Mineraliensammlung in der Burg
(Öffnungszeiten im Frühjahr: Nur feiertags 15-19 Uhr; im Sommer: 10-12/15-19 Uhr)
- Museum der gotischen Linie: Via XI Febbraio, 3 - Tel. 0541/980045
(wird auf Anfrage geöffnet, Adresse des Wärters: Via Monte Acero 93)